Nach dem Flug unter Corona-Bedingungen freuten wir uns darauf, in Gambia die Maske abnehmen und frische Luft atmen zu dürfen. Nur, dass die Luft durch die Abgase der uralten Autos verschmutzt war, die bei uns vermutlich alle keinen TÜV, geschweige denn eine Umweltplakette, mehr bekämen.

Da es für unsereins schwierig ist, sich alleine auf den Straßen zu bewegen, ohne von Einheimischen belagert zu werden, die sich etwas Geld von den „reichen Europäern“ erhoffen, fuhren wir mit unserem Kontaktmann vor Ort, Morro, auf den Markt, um Gastgeschenke und Schulmaterial für die Schulen zu kaufen. Morro wollte dieses Mal dann auch mit uns in die Wechselstube dort gehen, anstatt wie bisher den Geldwechsler ins Hotel zu bitten. Das war ein Fehler! Nach zwei Stunden versuchten sie immer noch, das restliche Geld aufzutreiben, weil die Menge an Dalasi, die wir wollten, scheinbar jegliche Banken im Umkreis sprengte. Dabei hatten wir den Betrag im Voraus angegeben. Endlich lagen die Geldscheine alle vor uns. Bergeweise. Nachzählen undenkbar. Hier muss man wohl oder übel vertrauen, dass die Geldzählmaschine ihren Job richtig macht. Ein Teil davon musste dann in die Umschläge für die Patenschaften abgezählt werden. Hier der Schock für jeden Gambia-Neuling: Das Geld stinkt! Das waren 4 lange Stunden.

Mit Geld und Schulmaterial im Gepäck ging es jeweils zu den von unserem Verein unterstützten Schulen. Die Überfahrt mit der Fähre verlief problemlos, auch wenn wir, auf uns allein gestellt, nicht einmal die Zahlstelle gefunden hätten. Die mittlerweile asphaltierte Straße und die Brücke im Landesinneren über den Gambia River machen die Fahrt inzwischen verhältnismäßig komfortabel. Nur das letzte Stück zur Schule stellt auch für Einheimische noch eine Herausforderung dar, die nur im Schneckentempo an den unzähligen Schlaglöchern und Spurrillen, die so tief sind, dass das Auto aufsäße, vorbeikommen. Die Kinder erwarteten uns schon am Tor und begrüßten uns mit Gesang, der Ältestenrat stellte sich vor, dann wurden die Patenschaften ausgezahlt und die Schule besichtigt. Die Angabe des Alters stellte für die meisten Kinder eine Herausforderung dar. Während die einen seit dem letzten Besuch vor zwei Jahren um erstaunliche 8 Jahre gealtert sind, sind andere nun tatsächlich einige Jahre jünger. Am meisten freuten sich die Kinder über das Foto, das wir beim letzten Besuch von ihnen gemacht hatten und ihnen jetzt übergaben. Das Geld zaubert hoffentlich den Eltern ein Lächeln ins Gesicht. Der Ablauf war an beiden Schulen ähnlich, doch der Eindruck, den wir bekamen, hätte kaum unterschiedlicher sein können. In Kinteh Kunda waren Dinge, die erst vor wenigen Jahren gekauft oder repariert wurden, schon wieder kaputt oder fehlten. Die Wünsche des Lehrerkollegiums etwa nach neuen Möbeln für das Lehrerzimmer oder Laptops schienen abgehoben angesichts der kaputten Schulbänke, durchlöcherten Decken und zerrissenen Schuluniformen. Fonkoi Kunda hingegen präsentierte uns aufgeräumte und geputzte Klassenzimmer, und fokussierte sich auf die wichtigsten Maßnahmen für die Kinder. Bleibt zu hoffen, dass der Komiteevorsitzende von Kinteh Kunda unsere Kritik ernst nimmt und sich uns beim nächsten Besuch tatsächlich ein erfreulicheres Bild bietet. Nur, wenn wir unser Budget nicht für Reparaturen verwenden müssen, können wir Fortschritt in die Schulen bringen. Auch die restlichen Patenschaften für bedürftige Schüler auf anderen Schulen wurden noch übergeben. Das mit Abstand schönste Treffen ist immer mit Fatoumata. Dieses sehbehinderte Mädchen zeigt ihre Dankbarkeit mit einer überschwänglichen Herzlichkeit, obwohl die ärmliche Behausung nur zu deutlich macht, dass sie kein einfaches Leben führt. Und als wäre diese offenkundige Freude nicht Dank genug, überraschte uns die ganze Familie am Abend noch mit einem Besuch im Hotel, damit sich auch der Rest der Familie wortreich mit Umarmungen und einem Obstpräsent bedanken konnte.

Die Zeit war rasch verflogen. In Gambia muss man im Allgemeinen viel Geduld mitbringen. Ob Geldwechsler, Restaurantbesuch, Besprechung oder Ausflug, hier geht alles mindestens doppelt so lange wie in Deutschland. Und wenn Morro nicht ab und zu seine Kontakte spielen gelassen hätte, hätten wir beispielsweise nicht noch den letzten Platz auf der Fähre bekommen. Nach einem letzten Kassensturz wurden noch die Maßnahmen, die unser Budget erlaubte, beauftragt. Auch wenn wir nicht alles umsetzen konnten, sind wir zuversichtlich, wieder einen wichtigen und hilfreichen Beitrag geleistet zu haben.

Verfasst von Tanja Heck, nach der ersten Reise nach Gambia